Erwartungen an die Locs – Wurzelhaare

Anfang/Mitte März 2022 bekomme ich meine Locs. Warum eigentlich? Und welche Erwartungen an die Filzhaare habe ich? Ein paar Antworten dazu findet ihr in diesem Beitrag.

Wurzelhaare

Ich habe Dreads schon immer toll gefunden, an anderen bewundert, angeschmachtet, Bilder gesucht und Pinterest-Wände dazu gebastelt. Immer mal wieder. Mir war nicht unbedingt klar, wieso mich Dreads so anziehen. Dann habe ich mal den Hashtag #hairlikeroots oder #hairliketreeroots gelesen und den Begriff „Wurzelhaare“. Nicht, dass das wirklich viel benutzt wird. Aber da ist mir irgendwie bewusst geworden, was ich mit Dreadlocks assoziiere: Wurzeln, Verwurzelung, Erdung, Natürlichkeit, Naturverbundenheit, Teil der Natur sein, Haare wie Baumwurzeln haben.

Ich glaube tatsächlich, dass Dreads sehr gut zu mir passen werden, auch wenn man sie vielleicht öfter bei jungen Leuten sieht. Aber sie passen zu meinem Typ, meiner Einstellung, zu dem, wo ich hin will, wer ich immer mehr werden will. Lockerer, entspannter. Ohne straffen Dutt, der die Haare schont. Mit Antennen für Natur und Mitmenschen. Frei, wild, wuschelig und wunderbar.Keine ausgefallenen Haare mehr in Dusche und Haus

Das ist einer der Punkte, auf den ich mich mit am meisten freue. Ich verteile wirklich eine Menge Haare hier im Haus, ebenso beim Haarewaschen in der Dusche. Je länger die Haare werden, desto auffälliger ist das, es sieht einfach noch mehr aus. Bei Dreads bleiben die ausgefallenen Haare ja einfach im Dread, machen ihn schön dick, verfilzen. Sie sind sogar zu etwas gut, jedenfalls liegen sie nicht blöd auf dem Boden rum.

Mit Shampoo waschen – basta!

Ein Merkmal meiner Haare, mit dem ich am meisten gekämpft habe, war immer die extreme Trockenheit. Deshalb habe ich viele Jahre lang so gut wie kein Shampoo benutzt (stattdessen WO- oder CO-Wäschen). Trotzdem blieben meine Haare trocken. Sie brauchen Leave-Ins, Haarcreme und Kuren, nach Shampoo immer einen Condi.

Bei Dreads hoffe ich, dass die Trockenheit meiner Haare ein Vorteil sein wird, weil sie dann besser filzen. Und dass eine Wäsche mit Shampoo reicht, ich danach nichts mehr tun muss. Vielleicht werde ich irgendwann doch mal wieder etwas Pflege für die Spitzen gebrauchen können, sobald alles gut verfilzt ist. Aber nicht in so großen Mengen wie in offenen Haaren und nicht so „verpflichtend“!

Dreads auf Reisen

Gerade auf Reisen stelle ich es mir sehr praktisch vor, einfach nur mit Shampoo zu waschen und keine anderen Flaschen und Pflegemittel mit herumschleppen zu müssen – Kämme und Bürsten ja auch nicht! Für normale Reisen kann ich mir auch gut vorstellen, die Dreads bei Bedarf einfach mit dem Duschbrocken zu waschen. Dann reicht sogar ein Produkt für Körper und Haare. Dann noch ein Öl für den Körper und ein paar Tropfen in die Dreadspitzen, basta.

Lange Trocknungszeit / Föhnen

Mir ist bewusst, dass einer der Nachteile von Dreadlocks die lange Trocknungszeit ist. In gewisser Weise bin ich das von hüftlangem dickem Haar ja auch schon gewohnt, dass Lufttrocknen Stunden in Anspruch nimmt. Ich bin kein großer Fan von Föhnen, aber bei Dreadlocks ist das ja quasi „erlaubt“. Föhn und Trockenhaube habe ich sowieso hier, die werde ich dann auch nutzen.

Im (Sommer-)Urlaub weiß ich dann noch nicht so recht, wie ich das machen werde. Im Alltag kann man das Waschen der Dreads ja auf den Vormittag legen, je wärmer es ist, desto schneller sind sie dann trocken. Am Nachmittag noch im Meer baden, dann die Dreads ausspülen – nasse Dreads am Abend. Nicht ideal. Da kommt dann entweder auch die Trockenhaube zum Einsatz oder die Dreads werden halt nicht jedes Mal „mitgebadet“, wenn ich ins Meer hüpfe.

Nicht weniger Arbeit – aber flexibler!

Mir ist auch klar, dass Dreadlocks nicht unbedingt weniger Arbeit sind als „normale“ Haare. Wobei meine trockenen Locken ja schon immer etwas aufwändiger waren. Bei Dreads kommt dann das lange Trocknen, das Trennen der Dreads nach dem Waschen, eventuell Palmrolling und gelegentlich Tighten Roots oder Häkeln dazu.

Betonung liegt aber auf „gelegentlich“! Ich MUSS das nämlich nicht jedes Mal, nicht jeden Tag (wie das Bürsten bei WO), nicht jede Woche (wie Pflege etc.). Ich kann waschen, wann ich mag, nicht unbedingt direkt bevor ich meine Locken mal offen tragen mag. Ich kann morgens entscheiden, welche Frisur ich tragen möchte, ohne Rücksicht darauf zu nehmen, wann die letzte Haarwäsche war und ob ich die Locken schon ausgebürstet habe.

Tighten Roots und Häkeln mache ich dann – so plane ich es wenigstens -, wenn ich Zeit dafür habe. Und wenn ich mal nicht dazu komme, Palmrolling zu machen, dann gibt es halt ein paar Knubbel. Das ist bei „Wurzelhaaren“ ja eigentlich nur normal. :)

Locken weg

Ja, das ist natürlich ein bisschen schade. Und ich bin sicher, dass ich die Locken auch ab und zu vermissen werde. Wobeiich ja tatsächlich immer nur 1-2 Tage nach der Wäsche schöne Locken „habe“…

Außerdem kann man sich ja auch mit Dreads Locken „machen“. Also zum Beispiel feucht flechten usw. Ich gehe außerdem davon aus, dass sich die Spitzen weiterhin mehr oder weniger kringeln werden (zumindest bis sie richtig verfilzt sind). Und dann könnte man ja auch mit Kneten und Ploppen experimentieren? Wer weiß, vielleicht sind da ja auch Strukturveränderungen je nach Laune möglich, ich werde es rausfinden!

Mehr offen tragen (oder Halfup/mit Haarband etc.)

Ich erwarte, dass ich meine Dreadlocks mehr offen tragen werde, als ich es bisher mit meinen Haaren gemacht habe. Und dass das besser zu mir und meinem Typ passt. Das liegt einerseits daran, dass ich sie nicht übertrieben „schonen“ muss bzw. will, andererseits daran, dass das Offentragen auch gehen dürfte, wenn die letzte Dreadwäsche schon etwas her ist. Wie gesagt: Locken sehen eigentlich nur am Tag der Wäsche oder am Tag drauf richtig schön aus…

Klar werden mir die Dreads auch mal auf die Nerven gehen bzw. ich will/muss sie aus dem Weg haben. Aber dann gibt es ja auch noch Haarbänder, Haartücher und Halfups. Das wird mir bei Dreads sicher Spaß machen!

Coole Frisuren – auch ohne Haarschmuck

Überhaupt freue ich mich jetzt schon auf die coolen Frisuren, die man mit Dreads machen kann – hoffentlich bald, wenn die Dreads ausreichend lang sind bzw. werden. Flechten kann ich, Dreads flechten wird bestimmt toll! Ich freue mich schon drauf, mir einfach Knoten ins Haar zu machen und riesige Dutts zu tragen. Oder zwei Hörnchen. Oder oder oder…

Besonders toll finde ich Dreadfrisuren ganz ohne Hilfsmittel, Haarschmuck, selbst Haargummi. Haare verknoten, Dutt festklemmen, ein Haarband aus den Dreads basteln – so viele Möglichkeiten, die Dreads aus dem Gesicht zu halten, selbst wenn man mal gar nichts dabei hat! Ich freu mich!

Schmuck, Perlen & Deko

Aufs Dekorieren der Dreads freue ich mich auch schon besonders. Ich will eigentlich nicht zu viel Metall in den Haaren haben, schließlich kann es ja doch mal sein, dass man beim Arzt (oder am Flughafen?) alles rausnehmen muss. Deshalb gibt es davon nur wenige, besondere Stücke, die entweder beweglich gehalten werden oder mit Schnur/Band an den Dreads angebracht werden, so der Plan.

Und dann gibt es ja auch noch Perlen aus (Edel-)Stein, Holzperlen, bunte Bänder, vielleicht auch mal eine Muschel aus dem Urlaub. Ja, das wird fein. Bunt, wild und wunderbar.

7 Jahre Filzkopf (mindestens)

Mein Plan ist, die Dreads mindestens sieben Jahre zu behalten, erstmal, also bis 2029. Dann bin ich 49, werde 50, dann kann ich ja nochmal drüber nachdenken. Aber die nächsten 7 Jahre will ich durchhalten, auch wenn es mal Durststrecken geben sollte, die Dreads mich nerven oder Probleme auftauchen. Vielleicht werde ich sie mal kürzen, aber eben nicht auskämmen.

Wurzelhaare Wachsenlassen, Ziel: 77 cm SSS (mindestens)

Ich hatte zuletzt ja das Ziel, meine Haare 77 cm (nach SSS) lang werden zu lassen, bei meiner Körpergröße wäre das der erste goldene Schnitt. Ich könnte mir vorstellen, dass das auch für Dreads eine gute Länge sein könnte. Möglicherweise werden noch längere Dreads bei meinen vielen/dicken Haaren dann doch zu schwer.

Ich bin schon sehr gespannt, ob meine Dreads sich erstmal zusammenziehen und 2 Jahre gar nicht wachsen, wie es wohl bei manchen Leuten passiert. Oder ob sie gleich mit dem Wachsen loslegen. Wie auch immer wird es wohl noch eine Weile dauern, bis ich die 77 cm geknackt habe. Würde ich meine Haare einfach so weiterwachsen lassen (ohne Dreads und ohne Spitzenschnitt), dann wäre ich vermutlich in einem Jahr, im März 2023, am Ziel angelangt – außer die Spitzen würden bröseln.

Ich finde auch kurze Dreads (Bob-Länge) total hübsch, kann also auch sein, dass ich sie irgendwann kürze und dann wieder wachsen lasse. Oder schaffe ich mit Hilfe der Dreads dann doch endlich mal „klassische Länge“ (Unterkante Po) und das gefällt mir dann? Keine Ahnung, was meine Dread-Wohlfühllänge wohl werden wird. Aber etwas rund um Taille kann ich mir wirklich gut vorstellen.

Kein Friseur mehr

Den Friseuren gehe ich ja sowieso meist aus dem Weg. Wegen Dreads werde ich ziemlich sicher auch keinen Friseur mehr aufsuchen. Dreads selbst oder mit Hilfe kürzen dürfte deutlich einfacher sein als bei offenen Haaren. Ein Problem weniger also!

Dafür werde ich natürlich zur Dreadpflege gehen (müssen)! Schließlich will ich gepflegte Dreads. Die wilden Phasen zwischendrin will ich allerdings auch genießen und auch hier gilt: ich werde flexibler sein. Am Anfang gehe ich vielleicht alle 3 Monate, später nur noch ein Mal im Jahr. Oder eben je nachdem, wie ich mich wohl fühle.

Übung in Gelassenheit

Ich bin darauf vorbereitet, dass Dreads einen auf die Geduldsprobe stellen können. Dass sie vielleicht nicht so filzen, wie man sich das wünscht, mehr Knubbel und Schlaufen bilden, als man möchte, unregelmäßiger, ungepflegter, strubbeliger aussehen, als man es erwartet hat. Ja, damit muss man dann leben. Aber ich denke, ich bin gut darauf vorbereitet.

Frizz am Oberkopf kenne ich nur allzu gut, das gehört bei Locken sowieso dazu. Da kann sich gar nicht so schrecklich viel verschlimmern. Und ich habe mich inzwischen wirklich daran gewöhnt, vielleicht sogar damit angefreundet! Zumindest wird man bei dem Ansatzgewuschel meine Kopfhaut weniger sehen als bei anderen, nehme ich an, und das ist mir ganz lieb.

Ich werde die Dreads sicher hin und wieder verfluchen, weil sie nicht machen, was ich will. Aber dann werde ich es als Übung in Gelassenheit nehmen. Dreadlocks kann man nicht zu 100% kontrollieren. Wie sonst auch nichts im Leben. Da sind die Dreads ein gutes Übungsgebiet, denn am Ende sind es ja doch: nur Haare!

Falls jemand von euch Wurzelhaare hat oder schonmal hatte, freue ich mich sehr über Anregungen oder auch Hinweise, wo ich vielleicht total auf dem Holzweg bin. Mir ist bewusst, dass ich rund um die Locs noch viel lernen muss. Gerade das ist ja so spannend! :)

Zur Artikelserie:
Vorbereitung auf Locs 1: Haare wachsen lassen
Dreadlocks und kulturelle Aneignung
Vorbereitung auf Wurzelhaare 2: Was schon da ist
Vorbereitung 3: Einkäufe
Vorbereitung 4: Reinigungswäsche

Hinweis: Alle mit * gekennzeichneten Links sind Amazon-Partnerlinks.

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.