Haare (nicht) schneiden | Haarbande

So, was schreibe ich nun, nachdem das Thema „Haare schneiden“ (wieder) Thema in der Haarbande ist? Ich habe gerade ganz viele Gedanken zum Thema, weiß aber gar nicht, wie viele ich davon hier teilen möchte. Das geht von meinen Haaren und ihrer individuellen Pflegebedürftigkeit, beginnendem Spliss und Frisurenfragen bis hin zum Patriarchat und der Bedeutung von Haaren in unserer Gesellschaft früher und heute. Nun ja. Let’s begin.

Haare (nicht) schneiden | Haarbande

1. Friseur:innen

Ähm, ja nun. Ich meide sie, wo ich kann. Das letzte Mal war ich bei einer Friseurin zum Haare schneiden im Mai 2024, das ist also beinahe zwei Jahre her. Der Besuch war nicht schlecht, sehr überdurchschnittlich verglichen mit zurückliegenden Erfahrungen, aber phantastisch war es auch nicht. Nach einem Friseurbesuch mag ich meine Haare meist weniger als vorher – und eigentlich sollte es umgekehrt sein, oder?

Wie auch immer. Ich habe mal wieder mit dem Gedanken gespielt, zum Friseur zu gehen, Spitzen, Form, Lockenschnitt. Aber ich weiß auch nicht so recht. Pony vielleicht? Wahrscheinlich wäre das hübsch, würde mich nach zwei Wochen aber zu Tode nerven. So ist halt ein bisschen schade, dass ich sie so gut wie nie offen trage.

Haare (nicht) schneiden | Haarbande

2. S&D

Seit zwei Jahren war ich also nicht beim Friseur, aber Haare schneide ich trotzdem. Ein bisschen. Ab und zu schneide ich meine Spitzen nach der Search and Destroy Methode (S&D). Ich suche also kaputte, gesplisste Haarspitzen und schneide den Spliss weg (mit meiner Olivia Garden Silk Cut). Nötig ist das eigentlich erst seit ein paar Monaten, davor habe ich so gut wie nichts gefunden. Aber irgendwie scheint meinen Haaren Winter und Trockenheit (Heizungsluft) mehr zu schaffen zu machen als Sonne, Wind und Meer.

Trotzdem hält es sich noch in Grenzen und ich schnipple halt immer wieder gezielt. Eine Alternative dazu gibt es ja auch kaum, denn beim Friseurbesuch oder beim Schneiden der Spitzen ist ja überhaupt nicht gesagt, dass man allen Spliss erwischt – außer man schneidet wirklich viel ab vielleicht.

Haare (nicht) schneiden | Haarbande

3. Haare nicht schneiden

In letzter Zeit habe ich mich immer mal wieder mit dem Thema beschäftigt, die Haare nicht zu schneiden (S&D mal ausgenommen). Keinen Spitzenschnitt und auch sonst nichts und die Haare einfach wachsen lassen, wie und wie lang sie wollen. Das gibt es ja in verschiedenen Kulturen und aus verschiedenen religiös-spirituellen Motiven. Und ich muss sagen, ja, im Moment übt das eine gewisse Anziehungskraft auf mich aus.

Andererseits hieße das vermutlich, dass ich meine Haare irgendwann ziemlich sicher gar nicht mehr offen tragen würde, weil sie a) unpraktisch lang und b) vermutlich auch formlos-unansehnlich werden würden. Oder? Ich habe keine Ahnung, wie ich mich mit dünnen „fairy tail ends“ fühlen würde. An anderen finde ich durchaus Gefallen dran. Aber an mir?

Haare (nicht) schneiden | Haarbande

4. Haare selbst schneiden / trimmen

Ganz allein habe ich meine Haare noch nie geschnitten, aber mein Mann hat hin und wieder die Schere angelegt. Hier Artikel von 2015 und 2016 zu Trimms mit dem CreaClip. Wenn sich meine Spitzen insgesamt sehr trocken, splissig und unschön anfühlen sollten, würde ich wohl am ehesten zu dieser Methode greifen. Falls ich nicht zur Friseurin gehe oder wachsen lasse. :-)

5. Haare im Patriarchat

Als es jetzt so viel um Gewalt gegen Frauen ging und ein Tropfen das Fass zum Überlaufen gebracht hat, war ich – wie viele Frauen – sehr, sehr wütend. Und habe mir Gedanken übers Patriarchat gemacht, mal wieder. Und hatte Lust, mir die Haare wieder abzurasieren und einen Buzzcut zu tragen, wie ich es ja schon viele Jahre meines Lebens lang gemacht habe. Feministin war ich schon immer und ja, die Frisur war vielleicht auch ein Zeichen dafür.

Klar ist, dass lange Haare in unserer Gesellschaft das Schönheitsideal bei Frauen sind – aus einem vor allem männlichen Blickwinkel. Bloß: wenn ich mir meine Haare, die ich eigentlich mag, abschneide, nur um zu protestieren, ist das dann Protest oder lasse ich mich wieder nur fremdbestimmen? Ich finde, das sind schwierige Fragen. Das Problem am Patriarchat ist ja auch, dass alles (an Frauen) sexualisiert und fetischisiert wird von bestimmten Gruppen (meist Männer): lange Haare, sehr lange Haare, Haare abzuschneiden, rasierte Haare, Glatze. Es gibt keine Frisur, die dem entkommt.

Dazu kommt, dass meine langen Haare Zeit und Geld kosten. Und ich das Gefühl habe, dass Frauen in unserer Gesellschaft damit abgelenkt werden, sich um ihr Aussehen zu kümmern. Wer sich um Haarpflege, Schminke und Botox kümmert, hat weniger Zeit, sich mit gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten zu beschäftigen, oder? Gleichzeitig ist die Haarpflege für mich auch eine Art Selbstliebe-Ritual.

Also bleibt dann doch nur: die Haare genau so tragen, wie ich es im Moment schön finde. Für mich, nicht für einen männlichen Blick. Den Mund aufmachen, damit (trotz „angepasster“ Frisur) klar wird, dass ich für Gleichberechtigung einstehe. Und mir die Haare wieder abrasieren, falls ICH das so entscheide. Tja.

Haare (nicht) schneiden | Haarbande

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