Water only 4 | Bürsten: wie, wann, womit?

Wenn man seine Haare nur mit Wasser wäscht, dann ist ganz klar, dass man seine Haare zusätzlich mechanisch reinigen muss, nämlich von Staub, Schuppen und allem, was sich sonst so im Haar sammelt. Viel davon lässt sich nämlich ganz einfach aus dem Haar bürsten. Mit einer guten Bürste massiert man die Kopfhaut und verteilt dabei auch gleich noch das eigene Haarfett vom Ansatz bis in die Längen, das pflegt und gibt Glanz. Wann, womit und wie bürstet man aber am besten? Hier meine Gedanken zum Thema.

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Ganz zu Beginn von WO habe ich nur wenig gebürstet, einfach weil noch kein Sebum erkennbar war, das ich hätte verteilen können. Erst nach ca. zwei Wochen war da etwas mehr und ich habe mehr gebürstet. Am wichtigsten ist wohl das Bürsten direkt vor einer WO-Wäsche, denn so entfernt man schonmal den losen Schmutz und die darauffolgende Wäsche funktioniert viel besser. Das habe ich also von Anfang an gemacht. Am ersten Tag nach einer Wäsche bürste ich hingegen eher nicht, denn sonst zerstöre ich damit ja meine Wellen.

Erst wenn ich auch ohne WO die Wellen auskämmen würde, bürste ich auch. Aber auch nicht unbedingt täglich, eher alle 2-3 Tage, am liebsten abends, wenn ich etwas Zeit habe und das Ganze genießen kann. Insgesamt lasse ich mich da aber sehr von meinem Gefühl leiten, wie meine Haare sich anfühlen, wie sie aussehen, was meine Kopfhaut so sagt. Ich hatte fast nie juckende Kopfhaut, sollte euch der Kopf aber doch mal ärgern, dann greift ihr eben zur Bürste. Und zu welcher? Zum Verteilen des Haarfetts eignet sich am besten die berühmt-berüchtigte Wildschweinborstenbürste.

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Ich besitze inzwischen vier Bürsten mit Wildschweinborsten, wobei ich mir nur eine davon neu gekauft habe, die ganz linke, mein aktueller Favorit. Die Bürste ist von Dr. Dittmar und ist mir extra für dickes, welliges Haar empfohlen worden. Hier sollte man nämlich eher Bürsten mit weiter auseinanderstehenden und weniger Borstenbüscheln bzw Borstenreihen verwenden. Deshalb ist die auch recht klein und handlich. :) Aber mit sogenannten Himalaya-Borsten (der Begriff, den Dr. Dittmar für die höchste Qualität der Kalkutta-Borsten verwendet), die haar- und kopfhautschonend sein sollen. Meine Bürste findet ihr hier.

Die zweite Bürste von links ist die Kostkamm-WBB in ergonomischer Form. Sehr groß ist der Unterschied ehrlich gesagt nicht, aber sie hat mehr und vielleicht etwas engere stehende Borsten, ich komme etwas weniger gut durchs Haar. Die Borsten fühlen sich auch ähnlich hart an, also recht hart, man muss schon etwas vorsichtig auf der Kopfhaut sein.

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Die dritte, dunklere Mita-Bürste hatte ich mir – wie hier berichtet – in Neuseeland bei meinem ersten WO-Experiment besorgt. Das war eigentlich ein echter Glücksgriff, denn sie hat nur echte Borsten und zwar die, die oben heller sind, was für den ersten Schnitt und damit für Qualität steht. Dadurch dass die Bürste ein Kautschuk-Bett hat und nicht komplett aus Holz besteht, ist sie deutlich weicher. Dadurch und durch die Vielzahl an Borsten eignet sie sich eher zum “Drüberstriegeln”. Trotzdem kann ich damit meine Kopfhaut auch leicht massieren, was eigentlich erstaunlich ist. Keine schlechte Bürste, für meinen Haartyp aber eigentlich nicht ideal.

Die vierte ist eine WBB-Bürste mit Holzstiften von Tek, die ich euch hier schonmal vorgestellt habe. Die benutze ich eigentlich nur zum Frisieren und eher selten, zum Reinigen der Haare ist sie eher nicht geeignet. Sie ist recht weich und dadurch auch für die Massage der Kopfhaut nicht wirklich tauglich. Aber sie glättet die Haare und legt Frizz an, das ist manchmal ganz nett. Wie gesagt, mein aktueller Favorit ist die Bürste von Dr. Dittmar, auf dem folgenden Bild im Vordergrund:

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Dann also einfach die Haare mit einer WBB bürsten und das war’s dann? Nein, ganz so einfach ist es doch nicht. Erstens sollte man seine Haare immer erst entwirren, bevor man sie bürstet, und zweitens braucht es ein bisschen Systematik, damit man auch alle Haare gut erwischt. Wenn ich richtig bürste, mache ich tatsächlich mindestens 150 Bürstenstriche mit der Wildschweinborstenbürste. Zuallererst entwirre ich aber die Haare mit dem TangleTeezer Thick&Curly (meine Lobeshymne dazu findet ihr hier).

Dann setze ich mich gemütlich hin (Stuhl oder Bettkante), lege Tangle Teezer und Bürste neben mich und schmeiße die Haare komplett nach vorne, lasse den Kopf also nach vorne unten hängen. Auch in dieser Position gehe ich nochmal mit dem Tangle Teezer durch, damit nicht neue Knoten durch die neue Position der Haare entstanden sind. Erst dann bürste ich langsam und vorsichtig etwa 25 Mal vom Haaransatz im Nacken bis nach vorne Richtung Spitzen der Haare. Die Bürste setze ich immer ein bisschen versetzt an und wandere so zwischen meinem linken und meinem rechten Ohr hin und her.

Im zweiten Schritt werfe ich alle Haare nach links, entwirre wieder mit ein paar Strichen des Tangle Teezers und bürste dann ca. 25x vom Haaransatz recht bis zu den links herabhängenden Spitzen, dabei wandere ich mit der Bürste von vorne (Stirn) nach hinten (Nacken). Im dritten Schritt wiederhole ich das mit nach recht geworfenen Haaren, ihr habt es geahnt. :) Dann werfe ich alle Haare nach hinten, entwirre nochmal und bürste dann vom Haaransatz an der Stirn bis möglichst weit in die auf dem Rücken liegenden Längen (zu den Spitzen komme ich so nicht, macht aber nichts). Da bin ich dann also schon bei 100 Bürstenstrichen.

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Dann ziehe ich mir aber einen Mittelscheitel (nur so ungefähr) und lege eine Hälfte der Haare links vor meine Schulter, die andere vor die rechte Schulter und entwirre wieder mit dem Tangle Teezer. Ich bürste nochmal die linke Hälfte meiner Haare jeweils vom Scheitel bis in die Spitzen (25x) und die rechte Hälfte meiner Haare ebenso (25x). So komme ich also auf gut 150 Bürstenstriche.

Insgesamt habe ich so meine Kopfhaut von allen Seiten massiert und gereinigt und ebenso die Haare vom Staub befreit. Dadurch dass ich in jeder Position erstmal entwirre und dann erst die WBB einsetze und hier wirklich sehr, sehr langsam und vorsichtig bin, bürste ich gleichzeitig aber möglichst schonend für die Haare. Denn natürlich ist das eine mechanische Belastung und kann zu Spliss führen. Deshalb eben sehr sanft bürsten und die Bürste sofort aus dem Haar nehmen, falls sie sich doch irgendwo verheddert, keinesfalls die Bürste durch ein Knötchen ziehen! Lieber erst nochmal mit den Fingern oder dem Tangle Teezer entwirren und dann erst wieder zur Bürste greifen.

Auf diese Art und Weise habe ich jedenfalls das Gefühl, dass ich die positiven Aspekte des Bürstens (Reinigung von Kopfhaut und Haaren, Massage der Kopfhaut, Verteilen des Sebums bis in die Spitzen und damit Pflege) erreiche, ohne meinen Haaren gleichzeitig durch die mechanische Belastung zu sehr zu schaden. Die Erfahrung zeigt mir jedenfalls, dass WO ohne das Bürsten nicht besonders gut funktioniert, insofern sollte man sich damit anfreunden. :) Als vegane Alternative sollen sich übrigens Bürsten aus Sisal eignen (hier eine von Kostkamm).

Weitere Artikel zu Water Only:
1 | Vorüberlegungen, Erfahrungen und Erwartungen
2 | Reinigungswäsche als Vorbereitung
3 | Pflege für die Haarspitzen mit Sebum-Mix
5 | Wie wäscht man Haare nur mit Wasser?

13 Kommentare

  1. anitaswelt
    3. November 2016

    Herzlichen Dank für diesen fantastischen Artikel! Ich bin echt geneigt, das eines Tages (am besten wohl auf einer längeren Reise ;) ) auszuprobieren.

    Die Mita-Bürste klingt ja traumhaft, gibts die allenfalls hier in Europa zu kaufen? Oder war das ein Kiwi-Produkt?

    Und jetzt geh ich die verlinkten Artikel lesen :)

    • Wuscheline
      3. November 2016

      Die Mita-Bürste ist ein echtes Kiwi-Produkt! :) Und auf Reisen ist WO halt echt praktisch, ja.

      • anitaswelt
        3. November 2016

        Okay, danke für die Info, dann werd ich bei meinem hoffentlich eines Tages dritten Besuch im Land der grossen weissen Wolke die Augen offen halten ;)

      • Wuscheline
        3. November 2016

        Bei mir steht in einem guten Jahr (hoffentlich) der zweite Besuch an. <3 Kann es kaum erwarten!

      • anitaswelt
        3. November 2016

        Ouuuu, solltest Du da dann etwas Platz übrig haben im Gepäck… ;)

  2. Meike/ Durch grüne Augen
    4. November 2016

    WO habe ich noch nicht probiert und kann es mir bei mir persönlich auch nicht wirklich vorstellen, finde die Idee dahinter aber logisch und interessant.
    Da meine Haare sehr fein und splissanfällig sind, stehe ich mechanischer Belastung eher kritisch gegenüber, habe aber kürzlich beim Naturfriseur die Erfahrung gemacht, wie wohltuend so eine sanfte (!) Bürstenmassage der Kopfhaut sein kann. Das ist Dir ja auch wichtig, sehr sanft zu Deinen Haaren zu sein. Ich hatte vor einigen Jahren mal eine WBB, die ich dann aber entsorgt habe, weil sie meine Haare gefühlt geschreddert hat. Die Bürste beim Friseur war ein Traum, sooo weich, aber 110 EUR sind mir dann doch zuviel. Vielleicht finde ich mal einen guten Kompromiss, dann werde ich mir auch wieder eine WBB zulegen. Sie muss halt weich sein.
    Liebe Grüße!
    Meike

    • Wuscheline
      7. November 2016

      Ja, das mit dem Kompromiss ist bei Bürsten echt ein Problem… Mit weichen Bürsten komme ich bei meinem dichten Haar halt gar nicht erst auf die Kopfhaut, das ist auch wieder blöd… :( Aber Respekt vor der WBB und ihren eventuell auch strapazierenden Eigenheiten habe ich auf jeden Fall und versuche das halt übers Vorgehen auszugleichen.

  3. Alma
    4. November 2016

    Finde den Blog echt super, hab ihn gerade entdeckt, da ich mich mittlerweile eher auf die Blogger fixiere statt auf die Youtuber, Super Artikel!:)
    Und sehr hilfreich :)

    • Wuscheline
      7. November 2016

      Dankeschön. :-)

  4. Sandra
    6. Februar 2017

    Hallo!
    Ich freue mich, dass Du ebenfalls ein Fan der Wildschweinborstenbürsten bis.
    Ich finde sie auch klasse und kenne bisher nur die von KostKamm.
    Wenn ich bei Dir den Links folge z.B. zu Deiner Bürste, musste ich festestellen, dass offenbar momentan die Bürsten in diesem Shop nicht verfügbar oder lieferbar sind.
    Man kann sich zwar gut informieren, aber dann würde man sie aus unbekannten Gründen nicht kaufen können.

    Von KostKamm gibt es im Übrigen auch eine Bürse mit Kalkuttaborsten. Auf deren Homepage kann man sich über alle Bürstenarten informieren und da fand ich die Borstenart ebenso.

    LG
    Sandra

    • Wuscheline
      14. November 2017

      Genau “meine” Bürste scheint es tatsächlich nicht mehr zu geben. Aber andere mit Kalkutta-Borsten schon. Vor meiner Bestellung hatte ich einfach übers Kontaktformular hingeschrieben und bin auch super beraten worden. Das würde ich ausprobieren.

  5. Lukas
    22. Oktober 2017

    Hat jemand eine Bezugsquelle für die beschriebene Bürste von Dr. Dittmar?
    Die Borsten wären genau das Richtige für mein Haar und außerdem gefällt mir die Form, Größe und Farbe so gut.
    Viele Grüße, Lukas

    • Wuscheline
      14. November 2017

      Leider scheint die Firma diese Bürste wieder aus dem Sortiment genommen zu haben, sehr schade. Ich habe sie direkt über den eigenen Shop bestellt und fürchte, wenn sie dort nicht verfügbar ist, wird sie auch sonst nirgendwo mehr aufzustöbern sein… Vielleicht lässt du dich über das Kontaktformular mal beraten?

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